Der Mühlenladen Langenargen von früher bis heute: Unsere Geschichte
Die Obermühle etwa um 1890
Im Jahr 1837 erbaute Gebhard Bleyle die Obermühle, verkaufte sie aber schon ein Jahr später an Wigger. Die nächsten Besitzer waren Strasser und Eibler, bis 1860 der Bäckermeister Johann Rueß aus Nonnenbach die Obermühle kaufte. Er verlegte die Mühle 1884 auf die westliche Bachseite.
Die Mühle 1956 bei Übernahme
durch Familie Karge
1956 übernahm die Familie Karge, Müller in der vierten Generation, die Langenargener Mühle. Am Tag der Übernahme der Mühle fror die Wasserkraftanlage für vier Wochen ein, und man mußte mit teurem EVS-Strom mahlen. Der Frühling brachte neuen Mut, und die Mühle wurde in eine automatische Mühle mit acht Tonnen Tagesleistung umgebaut. Zu dieser Zeit begann auch das große Mühlensterben im Bundesgebiet. Viele Betriebe vergrößerten ihre Leistungen, während gleichzeitig der Brotverbrauch mit zunehmenden Wohlstand zurück ging. So verursachten die Überkapazitäten einen harten Konkurenzzkampf, und viele kleinere und mittlere Betriebe gaben auf. Die ersten Mähdrescher kamen, und Familie Karge entschloss sich, eine Getreidetrocknung einzubauen, damit den Bauern das feuchte geerntete Getreide abgenommen werden konnte. Es gab ab dieser Zeit so manche Veränderungen, und all dies erforderte immer neue Verbesserungen und Anpassungen.
Brand und Wiederaufbau
500 000 DM Brandschaden
Im September 1960 wurde die Mühle durch einen Großbrand völlig zerstört. Verbunden mit den übrigen Begleitumständen, war dies ein harter Schlag. Wir als Pächter mussten die Belastungen eines Wiederaufbaues auf uns nehmen. So schwer es in den ersten vier Jahren war, Fuß zu fassen, so stark haben wir dann aber auch die Sympathie und das Mitgefühl der Bevölkerung erfahren dürfen, als wir nach neun Monaten Betriebsunterbrechnung schon im ersten Monat den Vorjahresumsatz erreichten.
Der Wiederaufbau 1960
Der Wiederaufbau der Mühle war aber auch eine reizvolle Herausforderung. So entstand das heutige Mühlengebäude etwas großzügiger, dafür wurde bei der Maschinenanlage sparsamer investiert, was sich in den folgenden Jahren leichter korrigieren ließ.
„Jüngere“ Geschichte
1971 konnte Albrecht Karge sen. die Mühle nach dem Tod von Berta Ruess erwerben. Als sich in den 70-er Jahren die Konkurrenzsituation der Müllerei ständig verschärfte mußten neue Märkte gefunden werden. Schon 1980 wurde die Entscheidung getroffen, den Direktverkauf in der Mühle wieder zu beleben und auszubauen. 1981 fand aus diesem Anlaß der erste Tag der offenen Tür statt. Nachdem eine Zukunft gesichert schien, lernte Albrecht Karge jun. in den Jahren 1983/84 das Müllerhandwerk, und führte so den Betrieb fort. Ein konsequenter Ausbau des Direktverkaufes an Endverbraucher und Gastronomie machte es möglich, die Konzentration auf der Abnehmerseite (Stichwort Filialbäckereien), den Zusammenbruch der Futtermittelproduktion (Spezialisierung in der Landwirtschaft) und auch den Wegfall der Rohstoffbasis zu überleben.
Die nächste Generation
Wasserkraftanlage
Nach Meisterprüfung und Lebensmitteltechnologiestudium übernahm Albrecht Karge jun. 1992 den Betrieb. 1994 wurde die Wasserkraftanlage generalüberholt und modernisiert. Nach 64 Jahren war das zum ersten mal nötig! 1997 folgte der Anbau des neuen Ladenteiles und neuer Lagerräume. Dabei wurde ein neuer, palettenfähiger Aufzug mit eingebaut. Im Zuge dieser Erweiterung wurde auch das Produktsortiment auf über 500 Artikel ausgebaut.
Bis 1998 blieb Albrecht sen. aktiv tätig im Betrieb. Er musste leider leider aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden, blieb aber bis zu seinem Tod im September 2001 an der Entwicklung seines Lebenswerkes interessiert.
Ende und Neuanfang
Die Mühlenanlage wurde älter, die Regularien einschränkender und die Bürokratie umfangreicher, der Laden subventionierte zunehmend die Mühle. Im Sommer 2012 musste darum die Vermahlung schweren Herzens beendet werden. Noch im Herbst des Jahres wurden die meisten Gerätschaften ausgebaut, da die nicht laufenden Maschinen ideale Ungezieferherde gewesen wären. Noch ist nicht klar, was mit dem bestehenden Gebäude passieren soll. Fest steht, dass mit Ihrer Unterstützung und Treue im Mühlenladen-Langenargen weiterhin die gewohnt guten und außergewöhnlichen neuen Lebensmittel verkauft werden können.